Binäre Optionen vs. Forex Teil 1

Binäre Optionen vs. Forex

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In den nächsten Artikeln Binäre Optionen vs. Forex möchte ich den klassischen Forex- Handel mit dem Handel von Binären Optionen vergleichen und Vor- und Nachteile beider Syteme gegenüber stellen.

In meinen Artikeln werde ich immer wieder Vergleiche zum Forex-Handel ziehen (müssen). Manchmal werden Sie sich beim Lesen des Blogs durchaus die Frage stellen, warum Sie sich überhaupt mit binären Optionen beschäftigen sollen. Ich hoffe, diese Artikel werden Ihnen diese Frage beantworten.

Was ist der Forex-Handel

Was binäre Optionen sind, habe ich bereits in einem meiner ersten Artikel Binäre Optionen – Was ist das? beschrieben. Daher möchte ich hier nur kurz auf den Forex-Handel eingehen.

Forex steht für Foreign Exchange – also dem Handel mit Fremdwährungen. Sicherlich haben Sie schonmal etwas von Wechselkursen gehört. In Börsennachrichten wird oft der aktuelle Euro-Kurs gegenüber dem Dollar genannt. Der Handel mit diesen Währungen wird als Forex-Handel bezeichnet.

Die meisten Forex-Broker bieten aber auch den Handel mit Indizes (DAX, Dow-Jones etc.) und den Handel mit Rohstoffen wie Öl, Gold oder Weizen an. Selbst einzelne Aktien können gehandelt werden.

Wenn ich in meinem Blog von Forex-Handel schreibe, meine ich dann im Allgemeinen den Handel an Finanzmärkten über einen Forex-Broker.

Binäre Optionen werden übrigens für die gleichen Basiswerte, also Währungspaare, Indizes, Rohstoffe und Aktien gehandelt.

Charakteristik des Forex-Handels

Generelle Vorgehensweise

Beim Forex-Handel wird ein Basiswert entweder gekauft (long gehen) oder verkauft (short gehen), was einfach ausgedrückt immer auf Kredit geschieht. Sie müssen also kein Öl besitzen um Öl zu verkaufen (sogenannte Leerverkäufe). Sind Sie “long” in einem Markt und der Kurs steigt, gehen Sie irgendwann “short” d.h. Sie verkaufen den Basiswert zum höheren Kurs wieder. Die Differenz zwischen dem Kaufkurs und dem Verkaufskurs ist Ihr Gewinn.

Spread

Dabei ist ber der sogenannte Spread zu berücksichtigen. Als Spread wird die Differenz zwischen dem sogenannten Geldkurs (Bid) und dem Briefkurs (Ask) bezeichnet. Sie kaufen Ihre Position zum (höheren) Ask- Kurs und verkaufen zum (niedrigeren) Bid- Kurs. Mit dieser Differenz wird der Broker bezahlt.
Beispielsweise gehen Sie jetzt im Währungspaar EUR/USD long, der derzeitige Kurs ist 1,2814 (Bid-Kurs). Sie müssen aber den Ask-Kurs von 1,2816 zahlen. Der Spread beträgt in diesem Fall dann 2 Pips (4. Stelle nach dem Komma). Steigt der Kurs nun auf 1,2820 bekommen Sie statt der 6 Pips, die der Kurs gestiegen ist, nur 4 Pips.

Welchen Wert ein Pip in Euro hat, hängt vom Kurs und der gehandelten Geldmenge ab.

Welche Spreads verlangt werden, hängt vom jeweiligen Broker ab und ist für jeden Basiswert unterschiedlich.

Hebel und Einlage (leverage/margin)

Stellen Sie sich vor, Sie möchten Öl handeln. Nehmen wir an das Fass Rohöl kostet derzeit 100$. Innerhalb von zwei Tagen steigt der Wert auf 102$. Dann hätten Sie damit 2% Gewinn gemacht. Erinnern Sie sich? Wir wollten Geld verdienen, keine Sparbuchzinsen erhaschen :)

Genau dafür gibt es beim Forex den sogenannten Hebel. Dieser Hebel (leverage) vervielfacht die Menge an Währungen, Rohstoffen etc, die Sie mit Ihrer Einlage (margin) bewegen können. Das Geld dafür, stellt übrigens der Broker bereit (und möchte dafür nur ein bisschen Spread).

Bei einem Hebel von 100 können Sie die 100-fache Menge Ihrer Einlage am Markt bewegen.

Sie könnten also statt 1 Fass Rohöl zu 100$ gleich 100 Fässer Rohöl kaufen. Steigt der Wert nun auf 102$, bekommen Sie auch 100x 2€ Gewinn. Sie haben also nun binnen zwei Tagen Ihren Einsatz verdreifacht…300% Gewinn.

Aber Achtung, fällt Rohöl nun von 100$ auf 99$ haben Sie Ihre Einlage komplett verloren denn Sie müssen auch 100x den Verlust von 1$ begleichen. Haben Sie nur diese 100$ auf Ihrem Konto können Sie auch binnen Minuten pleite sein.

Das nennt man dann margin call, der Broker benötigt Ihre komplette Einlage um Ihre Verluste auszugleichen.

Sie sehen, auch beim Forex steht einer enormen Chance eben ein enormes Risiko gegenüber.

Swap

Als Swap bezeichnet man vereinfacht gesagt Zinsen, die bei den Zentralbanken für geliehenes Geld zu bezahlen sind. Möchten Sie zum Beispiel € (EUR) kaufen und in Australischen Dollar (AUD) zahlen (angenommener Kurs 1,0000), leihen Sie sich quasi bei der Australischen Zentralbank 100.000.000 AUD bei 4.5% Zinsen. Pro Tag haben Sie dafür 123 AUD Zinsen zu zahlen. Sie kaufen damit 1.000.000 € und hinterlegen diese bei der Europäischen Zentralbank zu 0,5% Zinsen. Dafür bekommen Sie dann täglich 13,70€. Der Swap ist nun die Differenz zwischen den Zinsen, die sie Zahlen müssen und den Zinsen, die Sie bekommen. In unserem Fall müssten Sie täglich 123-13,70=109,30€ zahlen. Der Swap wird vom Gewinn aus Kursschwankungen abgerechnet.

Chance-Risiko-Verhältnis

Was das CRV ist, habe ich ja bereits in meinem Artikel über das Chance-Risiko-Verhältnis bei Binären Optionen erläutert. Beim Forex-Handel gibt es viele Möglichkeiten, das CRV zu beeinflussen. Je nach technischem Setup (Stichwort Technische Analyse) und gewähltem Stop-Loss (Stichwort Money- Management) kann das Verhältnis von möglichem Gewinn (Kursziel) zu möglichem Verlust (gewählter S/L) beeinflusst werden. Aus der technischen Analyse kann man das notwendige Stopp-Loss-Level ermitteln und anhand der riskierten Menge aus dem Money Management die Positionsgröße bestimmen. Dadurch kann der Verlust und damit das Risiko aus dem hohen Hebel begrenzt werden. Allerdings auch die möglichen Gewinne, denn wenn statt einem Lot (Positionsgröße beim Forex) nur 0,5 Lot gehandelt werden, bleibt zwar die gewonnene Anzahl an Pips gleich, der Wert eines Pips wird aber halbiert.

Stop-Loss, Take Profit und Pending Order

Durch die richtige Wahl des Stop-Loss können Verluste eng begrenzt werden. Dadurch können viele kleine Verluste mit sehr wenigen großen Gewinnen kompensiert werden und es wird insgesamt ein Gewinn erhandelt. Auch Seitwärtsphasen können gut überbrückt werden. Läuft der Kurs zum Beispiel über Stunden seitwärts, erreicht aber das Stop-Loss nicht und dreht dann in die richtige Richtung, wird der Trade Gewinn bringen.
Wird das Stop-Loss aber falsch gesetzt und der Kurs läuft vor dem gewünschten Ausbruch in eine Richtung nochmal zurück (Pullback) oder es gibt einen Fehlausbruch endet der Trade im Verlust, obwohl der Kurs später in die richtige Richtung läuft.

Ähnlich verhält es sich mit dem Take Profit. Beim Take Profit (T/P) wird die Position zu einem vorher definierten Kursziel beendet (glattgestellt). Erreicht der Kurs diesen Wert, ist der Gewinn gesichert. Verfehlt der Kurs diesen Wert aber nur knapp und fällt anschließend ins Stop-Loss endet die Position mit einem Verlust.

Die Pending Order ermöglicht es, Positionen zu vorher definierten Kursen zu eröffnen. S/L und T/P können gesetzt werden. Dadurch muss man für den Handel nicht am Rechner sitzen. Die Order wird beim Broker hinterlegt und zu den entsprechenden Kursen eröffnet und glattgestellt.

Zeiträume für den Handel und die Volatilität

Als Volatilität wird vereinfacht die Breite der Kursschwankung bezeichnet. Es gibt Zeiten mit hoher Volatilität und Zeiten mit geringer Volatilität im Markt.

Kurzfristige Strategien (Scalping)

Als Scalping wird der Handel von sehr gewingen Schwankungen in extrem kurzen Zeitabständen bezeichnet. Die Positionen werden dabei von wenigen Sekunden bis zu einigen Minuten gehalten. Natürlich hängt der Gewinn beim Forex-Handel von der Höhe der Bewegung ab. Die Kursschwankungen in diesen kurzen Zeitabständen sind aber sehr gering und der Spread muss bezahlt werden. Es wird also eine extrem hohe Volatilität benötigt.

Mittelfristige Strategien (Daytrading)

Beim Daytrading werden Positionen innerhalb einiger Stunden eröffnet und geschlossen. Für Daytrading- Strategien werden Trendmärkte und hohe Volatilität benötigt um entsprechende Gewinne zu erzielen. Schwanken die Kurse nur in einer Seitwärtsphase können keine Gewinne erzielt werden. Natürlich muss auch der Spread berücksichtigt werden.

Längerfristige Strategien

Bei den längerfristigen Strategien, bei denen Positionen über mehrere Tage, Wochen oder Monate gehalten werden, sind starke Trends wichtig. Auch hier bringen Seitwärtsphasen im Markt keine Gewinne. Dafür sind die Kursziele bedeutend größer als im Daytradingbereich. Zusätzlich zum Spread muss hier aber auch der Swap bezahlt werden.

Fazit

Im Forex-Handel sind durch den Hebel sehr hohe Gewinne realisierbar. Allerdings müssen viele Dinge berücksichtigt werden, die schnell das eigene Konto zerstören können. Wichtig ist, dass Gewinne beim Forex- Handel immer von starken Trends und hoher Volatilität abhängen und eher mittel- bis langfristig (im Vergleich zur Laufzeit binärer Optionen) realisiert werden können.

Im nächsten Artikel werde ich dann die binären Optionen unter den angesprochenen Gesichtspunkten vorstellen und mit dem Forex-Handel vergleichen.